Engagierter Presseklub-Talk über Lehe

„Die Chancen der schönen Altstadt nutzen“

 

Als Stadtbaurätin Dr. Jeanne-Marie Ehbauer nach ihrem Amtsantritt im  Frühjahr 2014 den Stadtteil Lehe näher kennenlernte, war sie über dessen mangelnde Wertschätzung überrascht. „In anderen Städten wäre ein so schönes Gründerzeitviertel als hippes Quartier angesagt“, wunderte sie sich beim „Talk maritim“ des Presseklubs Bremerhaven-Unterweser. In der Seestadt dagegen würden erst allmählich die großen Chancen genutzt, die das Gebiet rings um die Goethestraße trotz aller unbestreitbaren Probleme biete. Mit einem „Integrierten Handlungskonzept“ will die Bauverwaltung diese Entwicklung vorantreiben. Ehbauer: „Ich bin da voller Hoffnung.“

 

Lehe-Talk des Presseklubs im „Capitol“: Die Diskussion wird wieder von Radio Weser.TV ausgestrahlt.   Fotos: Wilfried Moritz

Lehe-Talk des Presseklubs im „Capitol“: Die Diskussion wird wieder von Radio Weser.TV ausgestrahlt. Fotos: Wilfried Moritz

„Lehe – ein Stadtteil im Aufbruch“, war die Diskussion im „Capitol“ unter Leitung der Presseklub-Vorsitzenden Anke Breitlauch und ihres Stellvertreters Herbert Klonus-Taubert überschrieben. Doch im 90-minütigen Talk, dessen Aufzeichnung  bei Radio Weser.TV zu mehreren Sendezeiten in den nächsten Tagen ausgestrahlt wird, ging es dann in erster Linie um das Dreieck zwischen Leher Tor, Hafen-, Rickmers- und Pestalozzistraße.

 

Mittendrin: die Goethestraße mit städtebaulichen Glanzlichtern aus der Gründerzeit, die Anke Breitlauch und die Mitarbeiter von Radio Weser.TV in einem kurzen Einstiegsfilm ins rechte Licht rückten. Sie zeigten jedoch auch, dass das einzige Altstadtviertel Bremerhavens auch gravierende Schattenseiten hat. Nach den Schmuckstücken würde man sich einerseits „in anderen Städten die Finger lecken“, wie die Presseklub-Vorsitzende einleitend befand.

 

Herbert Klonus-Taubert (2. von links) beim Talk mit Jochen Hertrampf (links), Brigitte Hawelka und Carlos Alexander Freidl

Herbert Klonus-Taubert (2. von links) beim Talk mit Jochen Hertrampf (links), Brigitte Hawelka und Carlos Alexander Freidl

Auf der anderen Seite sind der hohe Wohnungs-Leerstand, kaputte Gebäude, bröckelnde Mauern, vernagelte Fenster unübersehbar. 60 Prozent der Häuser im Goethequartier, so schätzte Sandra Levknecht vom Stadtplanungsamt, gelten als gut erhalten, weitere 20 Prozent als einigermaßen bewohnbar. Doch die übrigen 20 Prozent gammeln vor sich hin. Die Gründe dieses Verfalls brachten Baudezernentin Ehbauer und der Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsgesellschaft (Stäwog), Sieghard Lückehe, auf den Punkt: In den 1990er Jahren ließen sich Investoren vor allem aus Süddeutschland marode Häuser aus dem Goetheviertel aufschwatzen, die sie oft nicht einmal selbst besichtigt hatten. Viele Schrottimmobilien sind unvermietbar, mangels Einnahmen stehen die Eigentümer jetzt vor einem Schuldenberg. Stäwog-Chef Lückehe: „Das ist auch ein Stück Enteignung.“

 

Fazit der Talkrunde: Im Altstadtviertel muss nicht nur der Sanierungsstau dringend beseitigt, sondern auch sein Image mit vereinten Kräften aufpoliert werden. Dass es etliche positive Beispiele gibt, machten die Quartiermeisterin Brigitte Hawelka und Heiko Janßen von der Eigentümerstandortgemeinschaft Lehe (ESG) deutlich. Hawelka verwies auf schmucke Gebäude, die in den vergangenen Jahren instandgesetzt worden seien: „Da sind engagierte Leute bereit, gemeinsam an der Aufwertung des Wohngebiets zu arbeiten.“ Zu ihnen gehörten nicht zuletzt die Wohnungsgesellschaften und des ESG, in der sich 2009 Leher Hausbesitzer zusammengefunden haben. Ihr Ziel: das Viertel zu einem „lebenswerten und attraktiven Umfeld zu machen“, so der Vereinsvorsitzende Janßen. In seinem Appell an die Kommunalpolitiker, die Stadtteile mehr als bisher zu stärken, wusste er sich einig mit Carlos Alexander Freidl, Sprecher der Stadtteilkonferenz Lehe.

 

Presseklub-Vorsitzende Anke Breitlauch (Mitte)  im Gespräch mit Sandra Levknecht (links) und Dr. Jeanne Marie Ehbauer

Presseklub-Vorsitzende Anke Breitlauch (Mitte) im Gespräch mit Sandra Levknecht (links) und Dr. Jeanne Marie Ehbauer

Jochen Hertrampf vom Kulturbüro Bremerhaven zeigte sich in der Diskussion von dem Viertel so angetan, dass er die Goethestraße sogar zur „schönsten Straße der Stadt“ kürte und die Zuhörer mit einem Plädoyer für Lehe begeisterte: „Ich weiß gar nicht, warum nicht ganz Bremerhaven hierher zieht.“ Gemeinsam mit seinen Mitstreitern aus der Kulturszene macht sich Hertrampf dafür stark, neue Impulse in die Altstadt zu bringen – etwa durch den Leher Kultursommer, bei dem einen Monat lang bis zum 22. Juli rund 50 Veranstaltungen über die Bühne gehen.   (wm)

 

Weitere Informationen: http://www.esglehe.de, http://www.leher-kultursommer.de

 

Sendetermine von Radio Weser.tv: Sonnabend, 27. Juni, 19.00 Uhr; Sonntag, 28. Juni, 11.00 und 15.00 Uhr

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